Gebühren für Kontoauszüge (Zwangsauszug)

So dürfte es schon vielen ergangen sein. Sie holen Ihre Kontoauszüge am Drucker nicht rechtzeitig ab und bekommen diese mit der Post nach Hause geschickt. Einige Banken lassen sich das gut bezahlen und so sind Gebühren bis zu 2 € möglich.

Dabei sind Banken laut Artikel 248 über die Informationspflichten bei der Erbringung von Zahlungsdienstleistungen dazu verpflichtet den Kontoinhaber in regelmäßigen Abständen über die Zahlungsflüsse auf seinen Konten zu informieren.

Nun hat das LG Frankfurt/Main am 08.04.2011 (AZ 2-25 O 260/10) in einer Klage der Landesverbände der Verbraucherzentralen gegen die Deutsche Bank entschieden, dass die Bank ihren Kunden keine Gebühren für Kontoauszüge abverlangen darf, die nicht auf ausdrücklichen Wunsch des Kunden zugesandt wurden.

Verbraucherschützer sind jedoch der Meinung, dass die Banken ihre tatsächlich angefallenen Kosten für den Zwangsauszug dem Kunden berechnen dürfen. Dazu zählt z.B. das Briefporto von derzeit 60 Cent (Abhängig von der Anzahl der Auszüge und der resultierenden Größe des Briefes kann es auch mehr sein).

Viele Banken verlangen gar nichts für das Versenden der Kontoauszüge, andere lassen sich das Porto bezahlen. Es gibt aber immer noch eine Reihe Banken, die bei der Berechnung der Selbstkosten sehr großzügig sind. So gibt es auch heute noch Banken die bis zu 2 € für den Zwangsauszug verlangen. Den Kunden kann in diesem Fall nur geraten werden diese Gebühren von der Bank zurückzuverlangen oder die Bank zu wechseln.

Kommt jetzt die Putincard?

putincardNachdem Visa und Mastercard vergangene Woche die Zahlungstransaktionen für Kunden der russischen Rossija Bank aufgrund der Sanktionen der USA gegen diese regierungsnahe Bank eingestellt haben, hat Putin heute angekündigt ein eigenes Kreditkartensystem zu etablieren und verweist dabei auf die Erfolge ähnlicher Systeme in Japan und China.

Aber kann diese Ankündigung ernst genommen werden? Eher nicht. Aus russischer Sicht ist dieser Wunsch sicherlich nachvollziehbar aber das System ist schon von vorn herein zum Scheitern verurteilt. Zur Begründung muss man die Kreditkartenakzeptanz eines solchen Kartensystems getrennt nach nationalem und internationalem Markt betrachten.

Russland ist flächenmäßig gewaltig, aber es gibt gerade mal um die 145 Millionen Russen die dort leben. Von denen verdient nur ein Bruchteil so viel , dass er auch eine Kreditkarte braucht. Ich schätze den Anteil auf höchstens 10%. Wir hätten also um die 14 Millionen Russen die finanziell in der Lage wären eine Kreditkarte nutzen zu könnten. Von denen wollen dann vielleicht aber nicht alle eine Kreditkarte, da nämlich nur die wenigsten Russen den Banken trauen. Bleiben vielleicht 5 Millionen Russen übrig die eine Kreidtkarte mehr oder weniger regelmäßig nutzen. Das Kartengeschäft ist in Russland bei weitem nicht so verbreitet wie in Europa geschweige denn in den USA. Barzahlungen sind auch heute noch am häufigsten verbreitet und Kartenzahlungen eher die Ausnahme.

Selbst wenn die Sanktionen gegen Russland aufgehoben werden bleibt die Akzeptanz eines russischen Kartensystems auf internationalem Niveau fraglich. Es ist unwahrscheinlich, dass Banken (Issuer) außerhalb Russlands die „Putincard“ ausgeben werden. Es wird also bei den wenigen Russen bleiben die diese Karten nutzen werden. Um mit einer solchen Karte auch bezahlen zu können müssen die Händler (Onlinehändler und stationärer Handel mit POS Terminal) diese Karten akzeptieren.

Aber was heißt das genau, dass so ein Handler die Karte akzeptiert? Der Händler ist in den meisten Fällen über einen Acquirer an die verschiedenen Kreditkartensysteme angebunden. Der Acquirer nimmt den Zahlungsauftrag des Händlers entgegen und leitet diesen an die Kartenausgebende Bank (Issuer) weiter. Die Bank prüft die Deckung und gibt die Zahlung über den Acquirer an den Händler frei. Die Kommunikation zwischen der Bank und dem Acquirer ist sehr komplex. Zumeist handelt es sich um XML basierte Daten wobei jedes Kreditkartensystem ein eigenes Format hat. Dazu kommen unterschiedliche Kommunikationsprotokolle, was die Sache nicht vereinfacht. Für diese Abwicklung zwischen Bank und Händler kassiert der Acquirer eine geringe Gebühr in Höhe weniger Cents. Die genaue Höhe richtet sich dabei zumeist nach dem Transaktionsvolumen des Händlers. Je größer der Händler und je mehr Transaktionen dieser abwickelt, desto günstiger wird die einzelne Transaktion für ihn.

Ein Acquirer muss also um Zahlungen eines möglichen russischen Kartensystems verarbeiten zu können zunächst einmal erhebliche Summen investieren um das neue System zu integrieren. Dabei kommen sehr schnell 6 bis 7 stellige Summen zusammen. Diese Kosten müssen anschließend erwirtschaftet werden. Das lohnt sich also nur, wenn im Anschluss auch sehr viele Transaktionen der neuen Putincard über den Acquirer abgewickelt werden und dieser die Kosten mittel bis langfristig wieder reinholt (Return on Investment oder auch ROI). Wie ich weiter oben jedoch schon festgestellt habe, gibt es nur wenige die diese Karte überhaupt nutzen und somit darf bezweifelt werden, dass sich der Aufwand für die Acquirer lohnt. Nicht zuletzt besteht aus aktuellem Anlass eine hohe Unsicherheit in den russischen Märkten, was die Meldungen über den Abzug von mehreren Milliarden Dollar aus dem russischen Markt von ausländischen Investoren eindrucksvoll beweist.

Putins Ankündigung kann deshalb als das verstanden werden was sie ist: Mediales Säbelrasseln. Wenn Putin mit einem solchen System Geld verdienen könnte, hätte er es schon längst getan. Auch wenn Putin tatsächlich ein solches Kartensystem auf nationalem Niveau etabliert – auf internationalem Niveau wird das ein Rohrkrepierer und das hat mit Politik wie wir sehen nichts zu tun.